2011 steht HIV im Dialog unter dem Motto:
LIEBE?PFLICHT
Liebe in Zeiten von Aids – Gesundheitliche und gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam meistern.

30 Jahre Aids. Viel ist passiert, seitdem zum ersten Mal 1981 in einer medizinischen Fachzeitschrift ein Bericht über den ungewöhnlichen und tödlich verlaufenden Zusammenbruch des Immunsystems bei ansonsten gesunden, schwulen Männern im Raum Los Angeles berichtet wurde. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, dass diese Krankheit, die man bald darauf Aids nannte, einen Virus als Ursache hatte, der sich bereits über die ganze Welt verbreitet hatte. Auch ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand, dass dies der Auftakt zu einer bis dahin beispiellosen medialen Inszenierung von Schreckensbildern, Hysterie und Panikmache sein würde, welche bis heute nachhaltig mit der Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV und Aids einhergeht.
Heute, 30 Jahre später ist es still geworden um das Thema HIV/Aids. Die veränderte Lebensrealität von Menschen mit HIV und Aids reduziert sich in der medialen Öffentlichkeit allenfalls auf die Einnahme von Medikamenten. Die Kombinationstherapie hindert das Virus an seiner Vermehrung und mittlerweile haben HIV-Infizierte dadurch hierzulande eine fast normale Lebenserwartung. Zudem besteht durch die regelmäßige Medikamenteneinnahme auch eine verminderte Infektiosität (Ansteckungsrisiko). In diesem Zusammenhang haben die Anfang 2008 veröffentlichten Empfehlungen der Schweizer „Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen“ (EKAF) für viel Furore gesorgt. Demzufolge sind wirksam antiviral behandelte Menschen mit einer Infektion dann sexuell nicht infektiös, wenn ihre Viruslast seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegt, die Medikamente konsequent eingenommen werden und keine anderen sexuell übertragbaren Krankheiten vorliegen.
Was hier wie ein weiterer Meilenstein für die Normalisierung von Aids scheint, insbesondere mit Blick auf eine mögliche Entstigmatisierung der Menschen mit HIV und Aids, wird bis heute nicht nur bei Wissenschaftlern, Medizinern und Gesundheitspolitikern kontrovers und äußerst zurückhaltend diskutiert. Auch die Positiven- und Aidshilfe- Community sieht sich durch das Statement der EKAF mit vielfach neuen und keinesfalls einfachen Herausforderungen konfrontiert. An der breiten Öffentlichkeit scheint diese Debatte hingegen offenbar völlig vorbei gegangen zu sein.
Beispielhaft dafür ist das mediale HIV-Outing und die Vorverurteilung der Sängerin Nadja B. im Jahre 2009. Im Focus dieser öffentlich geführten Debatte stand vor allem das Verschweigen des positiven Immunstatus, in Annahme vorsätzlicher Körperverletzung und die damit einhergehende einseitige Zuweisung von Schuld und Verantwortung. Die Risikobereitschaft des Sexualpartners wurde hingegen nicht thematisiert.
30 Jahre Aids und die damit einhergehenden und vielfach unerwarteten Veränderungen von Aids waren Anlass, uns nach langer Zeit auf das vielleicht älteste Phänomen und Triebfeder menschlichen Handelns zu besinnen, dem der Liebe...! So findet der diesjährige Kongress HIV im Dialog unter dem Motto LIEBE?PFLICHT „Die Liebe in Zeiten von Aids“ statt.
In verschiedenen Veranstaltungen wird es um Fragen der gesellschaftlichen und gesundheitlichen Verantwortung gehen. Um Schuld, die Rolle von Justiz und Gesetzen und die Frage nach der Moral. Darum, wie Safer-Sex Arbeit auch in Trans*-Communities und bei Migrant_Innen ankommt und was die viel diskutierten Empfehlungen zur Nicht-Infektiosität unter wirksamer Therapie für die Zukunft bedeuten. In diesem Zusammenhang werden auch Themen wie Informationspflicht von Infizierten, Restrisiken, Entstigmatisierung und die mögliche Veränderung bisheriger Präventionsstrategien eine Rolle spielen. Einen Sonderschwerpunkt des diesjährigen Kongresses bildet der Themenkomplex rund um Sexualität, HIV-Risiko, Prävention und Identität von Trans*menschen.
Der medizinische Fokus liegt in diesem Jahr auf der „Anti-HIV-Pille“, den Chancen und Risiken der PrEP, den neuen Therapien für Hepatitis C (HCV) sowie neuen Studien und Erfahrungen zum Thema Sport bei einer Krebsdiagnose infolge der HIV-Infektion.
Orientiert am Leitgedanken des Veranstalterteams „Verantwortung braucht Solidarität“ und im Sinne des diesjährigen Slogans der Präventionskampagne Vergessen ist ansteckend „Wenn sich Aids verändern kann, kannst Du das auch“ laden wir Sie und Euch herzlich und ausdrücklich zu HIV im Dialog am 26. Und 27. August 2011 ein : Altes, Neues, kontrovers und queer Gedachtes aus Medizin, Gesundheitspolitik, Kultur und Selbsthilfe rund um HIV/Aids. Wie immer unter der Schirmherrschaft von Klaus Wowereit, bei kostenlosem Eintritt und mittlerweile traditionsgemäß im Roten Rathaus!
Wir freuen uns auf Ihre und Eure Anregungen und Kommentare aber ganz besonders auf Ihre und Eure aktive Teilnahme an HIV im Dialog 2011!

HIV im Dialog steht unter der Schirmherrschaft des
Regierenden Bürgermeisters von Berlin Klaus Wowereit.